Alle Farben der Karibik:

ein Törn durch die Kleinen Antillen

gekürzte Fassung

Text und Photos Sascha Burkhardt, alle Rechte vorbehalten

Alle Farben der Karibik (Bericht)

 

 


Marktleben auf St.Martin

St.Martin ist das kleinste binationale Eiland der Welt: es gehört zur Hälfte Frankreich, zur anderen Hälfte Holland! St. Martin ist zudem ein beliebter Ausgangspunkt für Charterfirmen: die sehr sicheren „Hurricanholes“ Simson Bay Lagoon und Oyster Pond sind sicherlich nicht schuldlos daran. Von Oyster Pond startet auch unser Törn, der bis nach Guadeloupe und zurück führen soll. Hurrikans haben wir jetzt im Winter nicht zu befürchten. Pfeifen tut’s trotzdem, ein Tiefausläufer streift die Gegend, er läßt die Passatwinde auf Nord drehen und deutlich auffrischen.   


Nicht nur fürs Auge: Antillenküche

Vorm Auslaufen machen wir einen letzten Ausflug in das pulsierende Marktleben des französischen Marigot. Überall stehen die gemütlichen „Doudou“-Marktfrauen hinter ihren Ständen und bieten herrliche Früchte an. Die Fischer sind eingelaufen und kratzen buntgesprenkelten Fischen die Schuppen vom Leib. Hafenausfahrt erscheint von Land aus gesehen beeindruckend. Die heranrollende Dünung bricht links und rechts des schmalen Kanals zwischen den tückischen Korallenstöcken. Die winzigen Bojen, die den rechten Weg weisen sollen, verschwinden immer
wieder hinter einem schäumend rollenden Wellenkamm. Also, Augen zu und durch! Zum Glück erweist sich die Sache vom Steuerstand aus gesehen als sehr viel harmloser. Nach wenigen Minuten sind wir durch und rollen auf raumem Kurs die Genua aus.

Karibische Gegensätze


Rasta-Man auf der Insel Nevis

Die Sonne knallt aufs Deck, fliegende Fische flattern schwarmweise über die Wellenberge, und unsere Yacht pflügt vom Passat getrieben unaufhaltsam in Richtung St. Kitts. Die Insel gehörte lange zu England, bevor sie zusammen mit Nevis einen unabhängigen Staat gründete. Die englische Vergangenheit ist nicht zu übersehen, am Independance Square spielen Schulkinder in Uniform auf gepflegtem Rasen, rote Telefonzellen und die prächtige Kirche aus dunklen Backsteinen könnten genauso gut in London stehen. Ein paar Straßenecken weiter erscheint der Glanz des Parks allerdings wirklich 4.000 Meilen entfernt: Rastas lungern vor zerfallenen Hütten, Hühner waten durch die stinkenden Abwässer, Müllhaufen säumen den Strand. Im Gegensatz zu St. Martin ist die Armut hier auf St. Kitts unübersehbar. Auf Nevis steuern wir den palmengesäumten Strand im Norden von Charlestown an. Der Anker fällt auf türkis schillernden Sandgrund. Hier finden wir das heiß ersehnte Klischee eines Karibikstrandes: Kokospalmen werfen ihre Schatten, die Wellen spülen sanft Muschelschalen heran. Solche Bilderbuchstrände sind gar nicht einfach zu finden, viele felsige Buchten erinnern eher an mediterrane Gefilde.

Und er spuckt doch!

Nach einem kurzen Besuch in Charlestown laufen wir aus und nehmen Kurs auf Montserrat. Die Neugier ist einfach zu groß, wir wollen mit eigenen Augen sehen, was der Vulkan Soufrière Hill 1995 dort angerichtet hat, als dieser Todgeglaubte aufwachte und den Ort Plymouth im wahrsten Sinne des Wortes in Schutt und Asche legte. Er soll nach Auskunft der Charterbasis immer mal wieder ein bisschen spucken.

Davon ist jetzt nichts zu sehen. Wir haben die unbewohnte Insel Redonda passiert und steuern genau auf Plymouth zu. Schon seit Stunden sichtbar, ragt Soufrière Hill friedlich in den Karibikhimmel. Doch kaum sind die ersten Häuserruinen auszumachen, passiert es: ohne jede Vorwarnung steigt mit einem Schlag eine Rauchsäule auf.

Da, wo vorher nicht einmal ein Schönwettercumulus stand, wächst die Aschekolonne wie eine Gewitterwolke in den Himmel. Blitzschnell, lautlos, bedrohlich. Ein Teil der dunklen Schwaden rutscht die kahlen Hänge hinunter und wälzt sich bis aufs Wasser hinab. Die Ankerstelle vor Plymouth verschwindet im Qualm. Die Rauchfahne legt sich wie eine riesige Barriere in Lee der Insel: da ist kein Durchkommen mehr. Wir werfen den Motor an, um die Insel auf der Luvseite zu umfahren.

Bretonische Nachfahren


Pointe des Chateaux auf Guadeloupe

Am frühen Morgen laufen wir in Les Saintes im Süden von Guadeloupe ein. Die kleine Insel gehört ebenfalls zu Frankreich, aber hier lebt wieder ein ganz anderer Menschenschlag. Die Nachkommen von bretonischen Einwanderern haben sich mit keinem anderen Volk vermischt. Hellhäutige blonde Fischer ziehen ihre Schaluppen auf den Strand vor dem gepflegten kleinen Örtchen. Wir ankern in der verschwiegenen Bucht von Pont-Pierre. Bei unserem Schnorchelausflug entdecken wir eine riesige Hirnkoralle, die von kunterbunten Fischen umschwärmt wird.

Zwei Tage später auf Guadeloupe ändern sich wieder Landschaft und Menschen. Auf den dicht bewaldeten Hängen des 1.500 Meter hohen Berges stürzen sich die beeindruckenden Carbet-Wasserfälle in die Tiefe. Die sind trotz touristischer Bevölkerung einen Landausflug mit Wanderung wert. Guadeloupe ist urbanisierter und touristischer als die umliegenden Inseln. Die Landschaft ist extrem vielseitig: beeindruckende Korallenriffe, endlose weiße Strände und Zuckerrohrplantagen im flachen Ostteil der Insel, dichte Vegetation, Bananenplantagen und vulkanisch schwarze Strände im gebirgigen Westen.  Vorletzte Etappe nach einem weiteren Nachtschlag: Statia. Auf dem winzigen Eiland leben fast ausschließlich Farbige: St. Eustatius zählt gerade mal 1.600 Einwohner. Oranjestad ist zwar nicht besonders schön, aber eine ganz besonders friedliche Atmosphäre der Weltabgeschiedenheit liegt über dem Eiland. Ausnahmslos alle Menschen, deren Weg wir in der bescheidenen Hüttensiedlung kreuzen, grüßen uns freundlich. Neben uns hält ein Wagen, der mal nicht nur aus Rostbeulen besteht. Der freundliche Chauffeur bietet uns die Mitfahrt an: er entpuppt sich als der Finanzminister der Inselregierung und lädt uns direkt vor einem gemütlichen Restaurant unweit des Forts ab.

St. Tropez der Antillen

Am letzten Tag vor der Abgabe der Yacht geht’s nach Schweden: St. Barthélemy, knapp fünfzehn Meilen südöstlich von St. Martin, ist zwar französisch, aber einige architektonische Elemente und der Ortsname Gustavia zeugen deutlich von der zeitweiligen schwedischen Herrschaft. Ein gemütlicher Bummel durch das moderne St. Barth; die Insel gilt nicht grundlos als das St. Tropez der Karibik. Teure Boutiquen und schicke Restaurants reihen sich im Schatten der blitzblanken Häuser aneinander. Europa hat uns schon vor unserem Rückflug wieder!